Krise: Außerordentliche Mitgliederversammlung macht deutlich: Dem Gewerbeverein mangelt es an allem
Von Michaela Cetto
Bad Ems. Nicht nur die Bad Emser Gewerbeschau „Nah&da" steht auf der Kippe (die RLZ berichtete gestern), sondern auch der Gewerbeverein „Bad Ems erleben". Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung machte der Vorsitzende Bernd Hewel den anwesenden Geschäftsleuten - eine übersichtliche Zahl - die prekäre Situation deutlich. Mit dem Fazit: Sollten sich nicht gravierende Änderungen vollziehen, wird sich der Vorstand im September bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr zur Wahl stellen. Und wenn sich sonst niemand findet, könnte dies das Aus für den Verein bedeuten. „So wie's heute ist, mangelt es an allem", sagte Hewel. Finanzen, Solidarität, Arbeitsbereitschaft, Wir-Gefühl.
Rund 50 Bad Emser Geschäfte und Gewerbe sind Mitglied im Gewerbeverein. Wenn es aber um gemeinsame Aktionen in der Stadt geht, sind natürlich alle angesprochen, auch Nichtmitglieder. Enttäuscht ist der Vorsitzende aktuell über den mangelnden Elan, sich bei Projekten einzubringen. Jüngstes Beispiel: „Wir hatten die Idee, die Klangfest-Pferdeshow lokal zu begleiten. Aber da kam kaum eine Rückmeldung." Auch eine spezielle Werbekampagne erneut anzukurbeln, stößt bei den Gewerbetreibenden auf wenig Begeisterung. „Ich laufe da mitunter gegen eine Mauer."
Dabei habe der Verein in den vergangenen zwei Jahren einiges losgetreten und erreicht. Neben einer deutlich besseren Vernetzung der Mitglieder und schnellerem und besseren Informationsfluss gab es Straßenaktionen im Rahmen des Baus der Römerstraße (Sandbergaktion, Baustellenfeste mit dem Stadt- und Touristikmarketing), einen vergrößerten Herbstmarkt und Verbesserungen beim Adventsmarkt. Auch für die Parkplätze auf der Wipsch und an der Kirche während der Bauzeit hat sich der Verein stark gemacht und außerdem für den dritten Bauabschnitt der Römerstraße einen früheren Baubeginn erreicht, um vor Weihnachten 2010 damit fertig zu sein. Die Limestafel an der Bahnhofsbrücke hat „Bad Ems erleben" ebenfalls gefördert.
Viele der einst gesteckten Ziele aber haben Hewel und sein Team nicht erreicht. Und die sind essenziell. „Es gibt noch immer keine gemeinsamen, einheitlichen Öffnungszeiten", sagte Hewel, „Ein Unding. Wir müssen den Kunden doch Sicherheit bieten: Wenn sie dann und dann in der Stadt sind, müssen alle Geschäfte auf sein." Weiteres Problem: Filialisten beteiligen sich anscheinend grundsätzlich nicht im Verein. „Wir brauchen eine größere Bandbreite an Gewerben, einen gesunden Branchenmix: Wo sind unsere Handwerker, Rechtsanwälte, Steuerberater, Freiberufler? Wir leben doch alle in Bad Ems und sollten an einem Strang ziehen!"
Überhaupt nicht hilfreich seien eigene Initiativen wie etwa die Interessengemeinschaft Obere Römerstraße, innerhalb derer die Gewerbetreibenden für ihre Belange kämpfen. „Für Bad Ems ist das kontraproduktiv. Wir müssen die Kräfte bündeln. Es wird höchste Zeit, dass sich hier etwas bewegt."
Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung - Bad Ems/Lahnstein, 25.06.2011, Seite 20